Alles, was Sie wissen wollen... Seite 1

 

•  Thrombose – was ist das?

Eine Thrombose ist ein Gerinnsel. Üblicherweise spricht man von einer Thrombose, wenn ein Gerinnsel in einer tiefen Vene besteht, das so groß ist, dass es die Vene bzw. einen Venenabschnitt verschließt. Auch bei der Venenentzündung liegt ein Gerinnsel vor, auch dieses verschließt die Vene. Da es sich aber zunächst einmal um eine Entzündung handelt, die erst danach zu einem Gerinnsel führt, bezeichnet man die Venenentzündung in der oberflächlichen Vene als Venenentzündung und nicht als Thrombose. Die Fachausdrücke lauten: Phlebitis für die oberflächliche Venenentzündung und Thrombose für die tiefe Beinvenenthrombose. Wann immer möglich, sollte man den Zusatz „tiefe Beinenvenen“-Thrombose benutzen, um Unklarheiten bzw. Verwechslungen von vornherein vorzubeugen. Die tiefe Beinvenenthrombose wird oft mit TVT für Tiefe Venen Thrombose abgekürzt.

 

• Wo ist das Blut bei einer frischen Thrombose?

Ein Bein führt tief in seiner Muskelschicht die Leitvene = tiefe Vene. Sie transportiert das Blut in Richtung Herz. Am Unterschenkel gibt es sechs Leitvenen (3 x 2, in jeder Muskelabteilung ein Paar), die sich kurz vor der Kniekehle vereinen. Von hier nach oben fließt das ganze Blut bei den meisten Menschen über eine einzige Vene nach oben. Ein Bein ist nicht mal einen Meter lang, die Leitvenen sind insgesamt nicht mal 3 Meter lang, aber ihre Zulieferer, die oberflächlichen Venen sind alle zusammen etwa 500 m lang. Wenn also die tiefe Vene verschlossen ist und das Blut nicht wie vorgesehen in die Tiefe abfließen kann, muss es in den oberflächlichen Venen bleiben und in ihnen herzwärts fließen. Bis zur Leiste klappt das recht gut, denn die oberflächlichen Venen laufen überwiegend in einer großen Vene zusammen, die innen am Bein entlang läuft (Vena saphena magna). Sie mündet in der Leiste in die tiefe Vene und hört hier praktisch auf. Wenn der Blutfluss so funktioniert, geht es dem Bein erst mal gut. Langfristig darf es allerdings bei dieser Umverteilung nicht bleiben.

 

• Warum ist eine Thrombose in der Leiste besonders schlecht?

In der Leiste gibt es für das Blut nur einen gescheiten Weg in Richtung Herz: die tiefe Vene, die hier durch das Leistenband ins Becken und von dort durch den Bauch in den Brustkorb zieht, um dann im Herzen zu münden. Das Leistenband schließt die Bauchhöhle, die man sich ein wenig wie einen großen Sack vorstellen kann, nach unten hin ab. Hier darf es keine Löcher geben, sonst hat man einen Leistenbruch. Für das Blut gibt es ein Loch, um nach unten zu kommen – die Beinschlagader - und eines, um nach oben zu kommen – die Beinvene. Es gibt in der Tiefe keine kleinen „Parallelstraßen“, die im Bedarfsfall zu Umgehungsvenen ausgebaut werden können. Wenn also die tiefe Vene an dieser Stelle verschlossen ist, dann bleibt dem Blut nichts anderes übrig als den Abfluss über oberflächliche kleine Venen zu suchen. Dieser Weg geht über den so genannten Venenstern (Crosse) in Hautvenen, die am Unterbauch zur Gegenseite oder zum Nabel oder in den Unterbauch ziehen.

 

Diese Lösung ist folgenschwer. Die kleinen Hautvenen werden im Laufe der Zeit zu Krampfadern. Sie liegen direkt unter der Hautdecke und sind sichtbar, was nicht schön ist. Man kann sie schlecht davor schützen, dass sie im Laufe der Zeit immer größer werden, weil sie immer mehr ausleiern. Die Kompression, die man am Bein ganz gut hinbekommt, klappt hier nicht oder nur sehr schlecht.

 

• Warum ich?

Tja, das sollten Sie in einer ruhigen Minute "den da oben fragen". Die Medizin hat einige Rahmenbedingungen herausfiltern können, die die Entstehung einer Thrombose wahrscheinlicher machen. Das Risiko nimmt mit der Anzahl der zutreffenden Faktoren zu, aber auch wenn alle Bedingungen auf Sie zutreffen, heißt das nicht, dass es zu einer Thrombose kommen muss. Ebenso wenig ist es zwingend, dass man einen der bekannten Auslöser für Thrombosen bei Ihnen findet. So ist das Leben...

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Dr. Ive Schaaf