Ihre Fragen und Antworten ...

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Vorab die Übersicht über die Fragen, die Sie weiter unten finden.

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• Ich sollte Strümpfe tragen, werde es aber nicht tun

• Strumpf ja oder nein, wie weiß ich, ob ich mich richtig verhalte? 

• Gehtraining bei  Thrombose?

• Wie schlimm sind die Reste meiner Thrombose?

 

 

• Ich sollte Strümpfe tragen, werde es aber nicht tun.

 

Sie finden auf meinen Seiten viele Informationen zum Thema Kompression. Wann man Strümpfe braucht und ob man Strümpfe nach einer OP oder nach einer Thrombose tragen sollte. Mein Anliegen ist es, Ihnen das notwendige Wissen zu vermitteln, damit Sie selbst verantwortungsbewusste Entscheidungen für sich und Ihren Körper fällen können. Dazu gehört insbesondere die Entscheidung, ob und wann Sie einen Strumpf tragen.

 

Wenn sicher ist, dass Sie einen Strumpf brauchen und Sie entscheiden sich, es dennoch nicht zu tun, wird vermutlich lange Zeit nichts oder wenig passieren. Das bisschen Schwellung am Sockenrand lässt sich leicht ignorieren, gegen Schmerzen in den Waden kann man auch mal ´ne Schmerztablette nehmen und die Krampfadern, die sich im Laufe der Zeit bilden, kann man unter einer Hose verstecken.

Wenn Sie sehr alt sind, bleibt es möglicherweise dabei. Aber wenn Sie jung sind und noch viele Jahre auf Ihren Beinen durchs Leben gehen, dann laufen Sie Gefahr, ein offenes Bein zu bekommen. Das beginnt ganz klein und oft kann man im Anfangsstadium durch rasches und konsequentes Eingreifen das Loch wieder zu bekommen. Je größer das Loch aber bei Behandlungsbeginn ist, um so schwieriger und langwieriger wird es. Vor allem aber lassen sich die Veränderungen, die letztlich zum offenen Bein geführt haben, nicht mehr rückgängig machen. Es dauert Jahre bis das Unterhautgewebe weg ist und in all dieser Zeit hätte man Zeit, an der Uhr zu drehen, aber wenn die Haut erst mal offen ist, sind bestimmte Schädigungen unwiderruflich passiert.

Das sollten Sie wissen, wenn Sie diese Entscheidung fällen. Es ist Ihre Entscheidung.

 

 

• Strumpf ja oder nein, wie weiß ich, ob ich mich richtig verhalte?

 

Ihr Körper spricht mit Ihnen und sagt Ihnen recht deutlich, ob er mit Ihrem Verhalten zurecht kommt oder nicht. Wenn Sie auf Ihren Körper hören, werden Sie schon recht genau wissen, ob alles ok ist. Da es aber sehr schwer ist, schleichende Veränderungen selber zu erkennen, sollten Sie noch jemanden auf Ihre Beine schauen lassen, am besten Ihren Phlebologen. Wenn er Sie einmal im Jahr sieht, sollte er erkennen können, ob alles stabil ist und Sie sich „im grünen Bereich“ befinden. Meiner Meinungen nach ist der Sommer, die Venen-Stress-Zeit“, der beste Zeitpunkt für eine solche Kontrolle.

 

 

 

• Gehtraining bei Thrombose

 

Das Prinzip ist einfach: Man sagt dem Körper, dass er mehr Transportvolumen zur Verfügung stellen soll als bisher. Dazu ist am besten flottes Gehen geeignet. Gehen ist der beste Reiz für eine bessere Durchblutung des Unterschenkels bzw. des ganzen Beines - das weiß man aus der Durchblutungsforschung (Durchblutungsstörungen in den Arterien). Radfahren trainiert hauptsächlich die Durchblutung im Oberschenkel. Da das angeforderte Blut auch wieder aus dem Bein raus muss, muss nicht nur arterielles (Einstrom), sondern auch venöses (Abfluss) Transportvolumen zur Verfügung gestellt werden. Der Körper bekommt eine Aufgabe, die er lösen muss. Wenn er keine Aufgabe bekommt, hat er keinen Grund etwas zu ändern, sondern muss davon ausgehen, dass alles passt.

 

Zum Training gehört eine sehr gute Kompression, damit der Körper nicht die oberflächlichen Venen als Transportwege benutzt, sondern Wege in der Tiefe sucht. Die Kompressionsstrümpfe müssen also den Druck in den oberflächlichen Venen so stark erhöhen, dass der Körper hier keine Möglichkeit zum Abtransport findet.

 

Gehtraining: Beispiel 1

Mein erster Patient mit diesem Problem war ein junger Mann, selbstständiger Vertreter, viel im Auto unterwegs oder sitzend beim Kunden. Er hatte diese Tätigkeit wegen seiner Thrombose nur kurz unterbrochen und klagte jetzt darüber, dass er nur etwa 150 Meter schmerzfrei gehen konnte. Er hatte das erst kürzlich festgestellt, als er einen Dauerlauf machen wollte, um Gewicht abzunehmen. Wir vereinbarten, dass er zweimal täglich so weit laufen sollte bis die Schmerzen anfingen und weil er trotz Strumpf eine Schwellneigung hatte, sollte er beim Laufen einen zweiten Strumpf über den ersten anziehen. 3 Monate später konnte er ohne Schmerzen so weit gehen wie er wollte und war nicht mehr beeinträchtigt.

 

Gehtraining: Beispiel 2

Bei einer jungen Mutter war es ganz ähnlich. So lange ihr Baby nicht laufen konnte, merkte sie nicht, dass ihre Gehstrecke sehr kurz war. Als sie dem Kind nicht hinterher laufen konnte, das zur Straße lief, kam sie zu mir, absolvierte ihr Training und war innerhalb eines halben Jahres nicht mehr eingeschränkt.

 

Das Prinzip ist immer gleich: Man läuft bis es weh tut, um dem Körper zu zeigen, wo die Grenzen liegen und was er zu tun hat. Die Strecke ist bei jedem anders, die Kompression wieder bei allen gleich: „stark genug“ und das gelingt meist mit zwei Strümpfen übereinander.

 

 

 

•  Wie schlimm sind die Reste meiner Thrombose?

 

Wenn Sie eine Thrombose hatten, werden Sie bei weiteren Kontrollen oft Befunde hören wie “Reste der Thrombose sichtbar“, die Venen sind nicht vollständig wieder eröffnet, einige Abschnitte sind noch verschlossen usw. Erfahrungsgemäß führt das dazu, dass Sie sich (noch) gehandicapt fühlen. Tatsächlich kann es aber sein, dass Sie trotz eines solchen Befundes in gewissem Sinne wieder ganz gesund sind. Ich möchte versuchen, das zu erklären.

 

Der Körper ist - grob gesagt – mit einer Reserve von 50% gebaut. Das soll heißen: Wenn die Hälfte eines Systems ausfällt, ist es immer noch voll funktionsfähig, allerhöchste Höchstleistungen einmal ausgenommen. Für die Thrombose bedeutet das: Wenn eine Vene, die durch eine Thrombose verschlossen war, zu 50% wieder eröffnet wurde, dann hat sie wieder eine Transportkapazität, die für alle Alltagsaktivität ausreicht. Sie sind also mit 50% wieder hergestelltem Volumen voll funktionsfähig, was die Transportfähigkeit dieser Vene betrifft. Sie haben praktisch eine „gesunde Transportfunktion“.

 

Für die Funktion einer Vene gibt es zwei wichtige Kriterien:

die Transportkapazität und die Ventilklappen. Wenn beides in Ordnung ist, sind die Venen voll funktionsfähig.

Gerade habe ich Ihnen erklärt, dass auch 50% Volumen für eine gesunde Transportfunktion ausreichen. Bliebe die Frage: Und was ist mit den Klappen? In gewisser Weise gilt auch hier die 50% Regel. In den großen Venen finden sich etwa alle 4-8 Zentimeter Ventilklappen, die bei regelrechter Funktion dafür sorgen, dass das Blut nur herzwärts fließt und nicht zurück ins Bein versacken kann.

Wenn nun einzelne Klappen nicht mehr funktionieren, weil sie durch die Thrombose „aufgelöst“ oder „verkrüppelt“ worden sind, dann entstehen Abschnitte, in denen diese Ventilfunktion nicht mehr gegeben ist. ABER: Das Blut ist eine durchgehende Flüssigkeitssäule, ständig schiebt von unten neues Blut nach und ständig wird nach oben hin Platz frei für den Abfluss des Blutes. Auch das Blut im betroffenen Abschnitt ist Bestandteil der „ganzen, großen Flüssigkeitssäule“ und wird „mitgenommen“. Wenn also eine Klappe nicht mehr funktioniert, aber alle Klappen darüber und darunter noch voll in Ordnung sind, so hat das meist keinerlei spürbare Auswirkungen. Gescheiterweise hat der Körper an wichtigen Abschnitten die Klappen dichter bei einander angelegt und auf langen geraden Strecken weiter auseinander. Und darum kommt es gar nicht so selten vor, dass Menschen nach einer Thrombose auf Dauer auch ohne Strumpf sehr gut zurecht kommen, wenn sie ihre Venen nicht gerade in Stress bringen. Mit Bewegung klappt der Bluttransport leichter – sie brauchen keinen Strumpf. Beim stehen und sitzen macht sich die fehlende Klappenfunktion dann doch (nach gewisser Zeit) bemerkbar. Sie ziehen ganz gezielt Ihre Strümpfe an, um Schwellung, Druckgefühl im Unterschenkel usw. zu vermeiden.

 

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© Dr. Ive Schaaf